| Strange
Days - Special Edition
Crime/Drama/Science-Fiction/Thriller
[Inhalt]
Los Angeles, 24 Stunden vor der Jahrtausendwende: Ex-Cop Lenny
Nero kommt nicht über die Trennung von seiner Freundin
Faith hinweg. Sein Geld verdient er mit dem Dealen illegaler
Discs, so genannten Squids, mit denen sich Wahrnehmungen und
Gefühle anderer Personen aufzeichnen und anschließend
selbst erleben lassen. Durch diese neuartige Unterhaltungssoftware
kann der User spektakuläre Raubüberfälle, Extremsportarten
oder Sex nachempfinden, als wäre er selbst dabei gewesen.
Als Lenny die Aufzeichnung des Mordes an einer Prostituierten
in die Hände fällt und Faith bedroht wird, ermittelt
er auf eigene Faust. Mit Hilfe des weiblichen Bodyguards Mace
versucht er den Killer zu stellen und gerät in einen
Strudel aus Sex, Lügen und Gewalt...
(Quelle: Kinowelt Home Entertainment)
[Kommentar]
„Strange Days“ wird seinem Namen gerecht und wirkt
von Beginn an ein wenig surreal und visionär von der
Aufmachung her. Vorerst kann sich mit Sicherheit nicht jeder
der eigensinnigen Zukunftsvision uneingeschränkt hingeben,
was sich jedoch mit zunehmender Laufzeit des Films entwickelt.
Denn „Strange Days“ ist nahezu auf allen Gebieten
unheimlich ausdrucksstark und zielgenau. Sämtliche Bilder
haben eine gewisse Bedeutung und stehen in Verbindung mit
der intelligent aufgesetzten Geschichte über eine fiktionale
Technologie, wie es sich die meisten Leute wahrscheinlich
seit Menschen gedenken erträumen. Apropos träumen,
denn darum geht es im Kern der Story ja auch. Eine Technik,
welche nachempfinden lässt, was andere Menschen wahrhaftig
erlebten. Und das audiovisuell. Des einen Graus ist des anderen
Freude – könnte man zumindest meinen.
Im Verlaufe
der Geschichte zu „Strange Days“ entpuppen sich
nach und nach die Auswirkungen und Nebeneffekte dieser bahnbrechenden
Technologie. Es wird dem Betrachter dabei eine dichte Stimmung
vermittelt. Erst spielt der Film nach und nach immer weiter
auf die Vielseitigkeiten und die Seiteneffekte an, anschließend
verdichtet sich die Geschichte zu einem waschechten Thriller,
welcher unheimlich authentisch und wirkungsvoll in seiner
Aussagekraft ist. Durch viele gekonnt inszenierte Bilder,
facettenreiche Charaktere und eine dicht gesponnene Story
entsteht ein Bild einer Zukunft, die nicht nur bedingt sehr
attraktiv erscheint. Zwar hat die Fassade ihren Charme, doch
stecken ungeahnte Potenziale hinter ihr, welche letztlich
im Kriminellen enden können.
Bei der
Inszenierung von „Strange Days“ hielt man sich
an ein teils surreal anmutendes Design, welches sich stringent
durch den Film zieht. Man richtete Kostüme, Umgebungen,
Gegenstände und Fahrzeuge entsprechend so aus, dass man
sich stets ausreichend Identifikation mit der Gegenwart leisten
kann. Nur wenige Dinge wirken futuristisch und wirklich neu
von der Gestaltung her. Die aufgezeichneten Erlebnisse aus
Sicht des „Betroffenen“ gehören dazu und
sorgen mit ihrem Pogo-Cam Stil für echtes „dabeisein“-Feeling.
Special Effects kommen mithin eher selten zum Vorschein und
arbeiten überwiegend im Untergrund. Dem Spaß tut
dies keinerlei Abbruch, denn gerade durch den konsequenten
Einsatz des eingeschlagenen Stils entsteht letztlich die Atmosphäre
und Spannung. Seitens der darstellerischen Leistungen ergänzen
sich die ausgewählten Mimen sehr gut, gerade das Trio
Fiennes, Bassett und Sizemore sorgen für glaubhafte Charaktere.
[Technik]
„Strange Days“ bietet einen anamorphen Breitbild-Transfer
im Format 2.35:1 an und weist einen auf dem ersten Blick gut
bis sehr guten Qualitätsstand auf. Der Titel bietet ein
oftmals durch künstliches Licht erhelltes Geschehen.
Viele Szenen spielen in der Nacht, oder aber in sehr schlecht
ausgeleuchteten Lokalitäten, was die Aussteuerung von
Details im Geschehen erschwert. Dennoch erreicht die DVD auch
auf diesem Gebiet ein zufrieden stellendes Niveau, was zum
Teil auf die stets angenehme Kantenschärfe zurückzuführen
ist. Selbige wird durch ein großflächiges Rauschen
negativ beeinflusst und eine leicht griselige Unruhe macht
sich im Bilduntergrund breit. Der Kontrast und die Farbgebung
unterstreichen die Thematik und sorgen für entsprechende
Stimmung. Die überwiegend unnatürlichen Lichtquellen
– Neoröhren, schummerige Lichter – geben
keine Grundlage für eine kontrastreiche Aussteuerung
der Farben, bieten jedoch ein authentisches Ergebnis. Kompressionsartefakte
oder nennenswerte Verunreinigungen treten nicht auf.
Es gibt
wahlweise deutschen oder englischsprachigen Dolby Digital
5.1-Sound auf dem Datenträger vorzufinden. Optional sind
Untertitel in ebenfalls deutscher Sprache der Akustik hinzuzuschalten.
„Strange Days“ weist einen spielerischen Umgang
mit der Akustik auf und weist Skeptiker und Kritiker in ihre
Schranken. Denn durch vielseitigen Einsatz bestimmter Effekte
entsteht zum einen umfangreiche Räumlichkeit und zum
anderen eine dynamische Wiedergabe von zahlreichen Umgebungsgeräuschen.
Immer wieder treten dabei unterschiedliche Effekte aus den
Lautsprechern auf, zuweilen auch bidirektionaler Natur. Im
Gemenge der Action bleibt der Dialog standfest und nur selten
gibt es qualitative Einschränkungen in den Spitzen von
Höhen und Tiefen in Form von leichten Verzerrungen zu
vernehmen. Dies stört die insgesamt gute Gesamtwirkung
nur marginal. Gekonnte Stille in den ruhigeren Momenten des
Films spricht ebenfalls für die Akustik.
[Fazit]
Als Film an sich hat mich „Strange Days“ komplett
überzeugt und sehr begeistert. Auf der Laufzeit von über
zwei Stunden (139 Minuten) wird ein ausgesprochen spannender
Science-Fiction Thriller gesponnen, der neben einer dichten
Atmosphäre auch einige kameratechnische Schmankerl für
den Betrachter bereithält. Was bieten die beiden Discs
noch? Wenn man Special Edition drauf schreibt, dann sollte
der Inhalt dies auch widerspiegeln. Und genau das ist erfreulicherweise
bei dieser Edition von „Strange Days“ der Fall.
Neben dem Hauptfilm haben wir es mit zahlreichen Zusatzmaterialien
zu tun, die über ein sehr einfaches Menü zu erreichen
sind. Die Navigation geht deshalb vor allem so gut von der
Hand, weil die Bildschirm-Menüs sehr starr und leider
auch einfallslos gestaltet wurden. Folgendes Bonusmaterial
befindet sich auf der zweiten der beiden DVDs:
- Making
Of „Strange Days“ (23 Min.)
- Featurette
mit Erläuterungen der Regisseurin zum Film (60 Min.)
- Featurette
zu den visuellen Effekten von „Strange Days“
(10 Min.)
- Deleted
Scenes (2 Szenen zu insgesamt rund 6 Min.)
- Musikvideo
von Skunk Anansie „Selling Jesus“ (4 Min.)
- Interviews
(9, davon 2 mit K. Bigelow, rund 20 Min.)
- Fotogalerie
- Produktionsnotizen
- SQUID
– die visuelle Droge der Zukunft (Texttafeln)
- Weitere
Highlights – 11 Trailer zu weiteren DVDs
- deutscher
und englischer Trailer zum Film
- Teaser
& TV-Spot
- DVD-ROM
Feature: Original Presseheft als PDF-Dokument
Das ist
mal eine echte Ansage; immerhin füllen die Materialien
insgesamt eine zusätzliche Laufzeit von rund 2 Stunden.
Alleine dafür gibt es schon einmal Lob an dieser Stelle.
Die einzelnen Features überzeugen und bieten in sich
eine gelungene Struktur, ferner vermitteln sich gelungen aufbereitetes
Zusatzwissen zum Hauptfilm. Und genau so sollte es eben auch
sein.
Schön,
dass auch das Making Of nicht in einer Odyssee an PR-Getue
endet, sondern sich mit wesentlichen Elementen des Hauptfilms
beschäftigt. So werden auch Analogien und Bezüge
zu früheren Werken von Regisseurin Kathryn Bigelow durchgeführt
und ihr Schaffen als Filmermacherin am Rande mit abgehandelt.
Es kommen auch weitere am Film beteiligte kreative Köpfe
zu Wort, so wie der Drehbuchautor und damalige Ehemann James
Cameron. Aufnahmen vom Set und weitere Interview-Ausschnitte
sind ebenfalls Bestandteile des Making Of’s, welches
insgesamt einen gut bis sehr guten Eindruck hinterlässt.
Die Featurettes
beschäftigen sich mit bestimmten Elementen des Films
und beäugen diese hinsichtlich ihrer technischen Realisierung
oder den sonstigen Aufwendungen, die bei der Arbeit an dem
Film entstanden. Dabei laufen zumeist einige Filmausschnitte
in einem kleineren Fenster auf dem Bildschirm ab und bestimmte
Personen kommentieren entsprechend in der Originalsprache,
ergänzt um deutsche Untertitel. Dabei wird stets angezeigt,
wer gerade spricht. Die weiteren Features verstehen wir als
nette Beigaben, auch sie bieten gute Qualität. Das Presseheft
mit einem Datenvolumen von rund 12 MB weist umfangreiche Presse-Informationen
auf und kommt mit rund 40 Seiten Material daher. Alles in
allem sprechen wir der Erscheinung unsere Empfehlungen aus.
Veröffentlichung am 11. August 2006.
Andre
Schnack
08.08.2006
| Film
/ Inhalt |
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Bewertung:
Ein Wert von 6 ist optimal. Je weniger Qualität
geboten wird, desto niedriger fällt der Wert in
der entsprechenden Kategorie aus.
1 von 6 ist dementsprechend ein schlechtes Ergebnis. |
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