| Grizzly
Man
Dokumentation
[Einleitung]
Wenn man bereits nach dem Lesen der Inhaltsangabe weiß,
dass die Hauptfigur stirbt, wie wirkt sich dies auf die Motivation
den Film anzuschauen aus? Das wird ein jeder für sich
selbst beantworten können, wenn man denn den Dokumentations-Film
„Grizzly Man“ gesehen hat. Er handelt von Timothy
Treadwell, einem tierbegeisterten Bären-Fan, der 13 Jahre
lang mit seiner ganz eigenen Art versuchte für die zotteligen
Raubtiere ein zu stehen und letztlich dabei sein Leben ließ.
Regisseur Werner Herzog konnte es mit Klaus Kinski aufnehmen,
also wird er auch keine Probleme mit Grizzly Bären haben
und fertigte 2005 nach eigenem Drehbuch die Dokumentation
„Grizzly Man“. Die getestete DVD erscheint aus
dem Programm der universumfilm.
[Inhalt]
Der Katmai-Nationalpark in Alaska ist scheinbar ein friedliches
Idyll. Doch hier leben die Kodiaks – Grizzlybären
– die zu den größten und gefährlichsten
Raubtieren der Welt zählen. Ein Mann allerdings hatte
vor ihnen keine Furcht. Er glaubte sogar, sie wären seine
Freunde. 13 Jahre lebte Timothy Treadwell unter Grizzlybären
– bis er von einem getötet wurde. Werner Herzog
hat einen Dokumentarfilm über den „Grizzly Man“
gedreht. Es ist die Geschichte eines selbsternannten Bären-Beschützers.
Treadwell, ein Ex-Junkie mit blonder Prinz-Eisenherz-Frisur,
will die Tiere vor Wilderern retten.
Mit dieser fixen
Idee zieht er 13 Jahre lang jeden Sommer mit den vermeintlich
harmlosen 500-Kilo-Teddys durch die Wildnis. Waffen für
den Notfall hat er nicht dabei. Nur ein Zelt und seine Videokamera.
Immer wieder nähert er sich den gefährlichen Giganten
auf ein paar Schritte Entfernung. Jahrelang lebt Treadwell
seinen aberwitzigen Selbsterfahrungstrip. Er steigt zum Umwelt-Promi
auf, hält Vorträge an Schulen, wird in Talkshows
eingeladen. Und jeden Sommer zieht es ihn wieder in die Wildnis,
zu seinen geliebten Bären. Bis zum Herbst 2003...
(Quelle: universumfilm)
[Kommentar]
Schon nach wenigen Minuten der Ansicht wird klar, dass man
es hier mit etwas wirklich Besonderen zu tun hat. Man spürt
förmlich das „dabei sein“, hört den
Atem des Bären und kann den Wind der freien Wildnis durch
ein leichtes Mikrofonrauschen wahrnehmen. Das sind die Aufnahmen,
aus denen Timothy Treadwell’s Träume sind. Und
Szenen, wie es sich in Werner Herzogs Film „Grizzly
Man“ über ihn zu sehen gibt. Zumeist spricht der
selbsternannte Tierschützer Treadwell im Monolog oder
seichtem Dialog mit den pelzigen Riesen. Wenn Herzog das Mikro
(als Sprecher aus dem Off) und die Kamera in die Hand nimmt,
dann ertönt stellenweise auch ein sehr passender Music-Score,
der die Weite und die Wirkung der Bilder unterstreicht. Musik,
wie man es sie aus ruhigen Western kennt wenn die Kamera über
die Weiten der Natur streift.
Es geht im Film
um die Person und das Phänomen Timothy Treadwell, der
sich in nahezu kompletter Einsamkeit mit seiner Kamera bewaffnet
in die unwirtliche und für den modernen Menschen lebensfeindliche
Umgebung begibt. Er sucht und findet Bären, er sucht
aber auch sich selbst. Interview-Ausschnitte geben ein zwiespältiges
Bild von Timothy und seiner Freundin, die er die letzten beiden
Jahre oftmals mit zu den Bären nahm. Ein verrückter
Typ, keine Frage. Die Unsinnigkeit seines Vorhabens wird durch
zahlreiche Kommentare von Interviewten oder aber dem Sprecher
– Werner Herzog – unterstrichen. Dauerhaft setzte
er sich in lebensbedrohliche Situationen. Am Ende wird er
getötet von Grizzly Bären. Denn schließlich
handelt es sich bei diesem Gesellen des Meister Petz’
keinesfalls um einen Plüsch-Teddy, sondern um eines der
größten Raubtiere, welches auf der Erden wandelt.
Der Anteil an Naturaufnahmen
mit Bären und Füchsen ist hoch. Insbesondere die
Aufnahmen rivalisierender, kämpfender Grizzlys und die
Momente, in denen es Mr. Treadwell bis zu zarten Berührungen
mit den riesigen Raubtieren treibt, sind zweifellos großartiges
Zeugnis der freien Natur. Musik gibt es dabei nicht, denn
Treadwell war mit „seinen“ Bären alleine,
einsam und auf sich allein gestellt – unter Bären.
Seine kindliche Art und Weise spielerisch mit der Natur und
seinen Aufnahmewerkzeugen umzugehen kann faszinieren und wirft
immer wieder die Frage auf, was seine inneren Beweggründe
sind, worin seine Motivation liegt.
[Technik]
„Grizzly Man“ erscheint im anamorphen Breitbild-Format
1.78:1 und füllt damit die komplette Wiedergabefläche
eines 16:9-Wiedergabegeräts. Zum großen Teil bestimmen
Handkamera-Dokumentar-Aufnahmen das Geschehen, entsprechend
ist die qualitative Leistung einzuordnen. Kantenschärfe
und Detailgrad kommen hierbei oft zu kurz. Die Bilder wirken
leicht verschwommen und unscharf. Der andere Teil des visuellen
Geschehens setzt sich aus Interview-Ausschnitten und Landschaftseinfängen
zusammen, die recht aktueller Natur sind und durch Werner
Herzogs Kamerateam in hoher Qualität aufgenommen wurden.
Sie weisen eine gute Qualität auf und überzeugen
den Betrachter auf Anhieb mit durch die Bank weg guten Werten.
Beide Bestandteile von „Grizzly Man“ passen ganz
gut zueinander und es entsteht eine Harmonie der Vielseitigkeit.
Rauschen oder Kompressionsartefakte treten im letztgenannten
Teil nicht auf.
Tontechnisch haben
wir es mit einer Mischung aus dokumentationstypischen Elementen
und Amateur-Einlagen zu tun. Zwar gibt es Dolby Digital 5.1-Ton
in den Sprachen Deutsch und Englisch, so können diese
natürlich nicht dem Vergleich aktueller Kinofilme auf
DVD standhalten. Zu sehr eingeschränkt auf die Lautsprecherfront,
zu wenig Weite und zu wenig Geräuschkulisse im Allgemeinen
zeichnen den zurückhaltenden und surroundseitig eher
unterdurchschnittlichen Sound aus. Seitens der Wiedergabe-Qualität
kann nicht geklagt werden und vor allem die aktuellen, professionellen
Momente von Werner Herzog weisen guten und klar verständlichen
Ton auf. Amateur-Aufnahmen der Handkamera von Timothy Treadwell
hingegen wirken verständlich, jedoch rauschend und sehr
lokal. Untertitel sind nicht auf der Disc vorzufinden.
[Fazit]
Mit dem Titel „Grizzly Man“ veröffentlicht
universumfilm einen weiteren sehr interessanten Film auf DVD,
der nicht unbedingt jeden Dokumentations-Geschmack trifft,
jedoch aufgrund seiner hochwertigen Fertigung und inhaltlichen
Qualität seine Berechtigung hat. Dazu tragen vor allem
die authentischen Amateur-Aufnahmen von Timothy Treadwell
und die Art und Weise des Erzählens von Werner Herzog
bei. Der Titel bemisst sich auf eine Laufzeit von rund 103
Minuten und befindet sich auf einer einseitigen Dual-Layer-Disc
(DVD Typ 9). Die Altersfreigabe liegt bei ab 12 Jahren, was
angemessen erscheint. Technisch betrachtet kann „Grizzly
Man“ niemanden vom Hocker hauen, ganz im Gegenteil.
Jedoch muss der Hintergrund des Films und der Ursprung der
Materialien dabei berücksichtigt werden. Extras gibt
es in Form von einem Original-Kinotrailer und 8 Trailer weiterer
DVDs. Zu haben ab dem 13. November, der Preis liegt bei 15,-
Euro.
Andre Schnack
02.11.2006
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/ Inhalt |
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Bewertung:
Ein Wert von 6 ist optimal. Je weniger Qualität
geboten wird, desto niedriger fällt der Wert in
der entsprechenden Kategorie aus.
1 von 6 ist dementsprechend ein schlechtes Ergebnis. |
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