Ghetto
History/War
[Einleitung]
Abhandlungen in Form von Computerspielen und Filmen im Kontext
des Zweiten Weltkriegs sind beliebt und erfolgreich. Den Computerspielen
gebührt dabei wahrscheinlich eine noch höhere Erfolgsaussicht
aufgrund eines hohen Unterhaltungswerts durch Action. Filme
hingegen sind in diesem Zusammenhang meist Dramen und weniger
positiv in ihrer Aussage. Zu diesen Werken gehört auch
Audrius Juzenas' „Ghetto“ von 2006. Der russische
Filmemacher besetzte sein Kriegsdrama in den Hauptrollen mit
Heino Ferch, Sebastian Hülk, Jörg Lamprecht und
Erika Marozsán. „Ghetto“ entstand nach
einem Drehbuch von Joshua Sobol, die DVD erscheint aus dem
Angebot der Sony Pictures Home Entertainment und wir konnten
genauer hinschauen.
[Inhalt]
Im Ghetto von Vilnius, Litauen: Um dem Massenmorden Einhalt
zu gebieten, unterstützt der jüdische Ghettoleiter
Gens (Heino Ferch) die Gründung einer jüdischen
Theatergruppe. Denn der junge deutsche Ghettokommandant Kittel
(Sebastian Hülk) hat Sinn für Kultur: Wer ihn, so
wie etwa die Jüdin Hayyah (Erika Marozsán), unterhält,
muss nicht sterben - vorerst zumindest. Gens ist zwar gezwungenermaßen
der Handlanger des Bösen, aber er versucht mit allen
Mitteln zu retten, was zu retten ist. Doch dann wendet sich
das Kriegsglück der Deutschen. Die russische Armee rückt
vor. Die Nazis bereiten in den besetzten Gebieten die Endlösung
vor. Kittel weiß, dass er bald auf der Flucht sein wird.
In einer Mischung aus Panik und Euphorie ruft er die ganze
Schauspielertruppe auf der Bühne zusammen. Er verlangt
einen letzten Auftritt von ihnen…
(Quelle: Sony Pictures Home Entertainment)
[Kommentar]
Auch in diesem klassischen Film über die unglaublichen
und menschenverachtenden Geschehnisse des Dritten Reichs geht
es um Hoffnung. Hoffnung in einer scheinbar schier hoffnungslosen
Lage. Es geht um Menschen, die dem System des Bösen unter
Demagogen Adolf Hitler nicht mehr dienlich sein wollen und
zwischen Selbstschutz und dem Willen anderen zu helfen umher
irren. Schauplatz der Handlungen ist dabei ein Ghetto in der
besetzten Sowjetunion. Die Figur des Kommandanten Kittel ist
hierbei bezeichnend und nimmt eine Schlüsselposition
ein. Genau so, wie Charakter des Ghettoleiters Gens, glaubhaft
und plastisch dargestellt durch hervorragende, darstellerische
Leistungen Heino Ferchs. Um die genannten Personen und Menschen
in deren Umgebungen geht es in "Ghetto".
Und wenn gleich
die Story wenig positiv und hoffnungsverheissend ist, so kann
sie den Betrachter in ihren Bann ziehen und mit stimmungsvollen
Bildern und Emotionen befeuern. Dies geschieht vor allem durch
die Darstellung von Einzelschicksalen inmitten des Chaos eines
gigantischen Krieges mit grausamsten Ereignissen und menschenverachtenden
Handlungen. „Ghetto“ verlässt sich dabei
auf einen stationären Handlungsverlauf und einen soliden
Spannungsbogen. Großartige Verzweigungen, Nebenhandlungsstränge
und Überraschungen treten dabei nicht auf. Die an den
Tag gelegte Handwerkskunst bei der Produktion kann als hochwertig
bezeichnet werden. Sets, Kostüme und Masken fangen den
Zeitgeist ein und hinterlassen einen authentischen Eindruck.
[Technik]
„Ghetto“ ist aktuell und der Film befindet sich
in einem guten technischen Gewand auf der DVD. Hochwertig
und sauber präsentiert sich ein anamorpher 16:9-Transfer
im Ratio 1.78:1 auf dem Wiedergabegerät. Lediglich ein
leichtes Rauschen, bzw. eine zarte Unruhe im Untergrund des
Geschehens fällt von Beginn an auf. Davon ab haben wir
es mit sauberen, wenngleich aus künstlerischer Sicht
leicht entfremdeten, fahlen Farben zu tun. Der Schwarzlevel
der schattigen Bildbereiche geht ebenfalls in Ordnung und
verschlingt keine Details. Seitens der Kantenschärfe
gibt es keine großartigen Beanstandungen zu vermelden
und wir erhalten befriedigende Konturen vor die Augen. Rasche
Bewegungen sorgen für keinen Abbruch beim Sehvergnügen.
Auch die Kompression arbeitet sauber und ordentlich ohne Blockrauschen
oder Artefaktbildung.
Tontechnisch
gehören Kriegsfilme à la „Der
Soldat James Ryan“ zu den großen Mehrkanalton-Kalibern
mit echtem Gourmet-Faktor in Sachen „Surround-Sound“.
Titel wie „Ghetto“ hingegen haben es dort schwerer,
denn sie spielen nicht inmitten einer galaktischen Invasion
in der Normandie, sondern in ruhigeren Gefilden. Und dennoch
leistet sich der Ton keine Aussetzer oder aber vernachlässigt
den Surround-Aspekt zu sehr. Denn es gibt Menschenmassen,
Gebrüll und hin und wieder einiges an Action im Programm
- was sich auch auf den Ton überträgt. Und so leistet
der deutsche Dolby Digital 5.1-Sound einen guten Job. Die
englische Synchronfassung gibt es lediglich im Dolby Digital
2.0-Format, was sich negativ auf räumliche Weite und
das Klangspektrum auswirkt.
[Fazit]
Sony Pictures Home Entertainment bringt uns mit dem Film „Ghetto“
einen schwermütigen Film mit Appell an die Hoffnung und
dem Glauben an das Gute im Menschen. Über eine Laufzeit
von rund 107 Minuten erzählt der Film eine Geschichte,
die sich auf wahre Begebenheiten beruft und dabei nicht allzu
politisch wird. Es handelt sich bei „Ghetto“ um
eine einseitige Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9) mit einer Altersfreigabe
ab 12 Jahren. Als Extras können folgende Materialien
über ein einfach gehaltenes Menü erreicht werden:
Trailer, Fotogalerie und Interview mit Schoschana Rabinovici,
eine Überlebende aus dem Ghetto. Ferner sind noch Untertitel
zum Film in den Sprachen Deutsch und Englisch vorhanden. „Ghetto“
befindet sich seit dem 21. November im Handel.
Andre Schnack
04.12.2006
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Bewertung:
Ein Wert von 6 ist optimal. Je weniger Qualität
geboten wird, desto niedriger fällt der Wert in
der entsprechenden Kategorie aus.
1 von 6 ist dementsprechend ein schlechtes Ergebnis. |
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